Gott, der Schöpfer,
war der erste Töpfer

Vielfältig ist die Kunst und das Handwerk des Töpferns.
Es braucht Zeit, Ausdauer und Geduld, bis das ersehnte Werkstück endlich vor einem steht.
Oftmals vergehen mehrere Tage oder gar Wochen,
dann kann man der Mühen Lohn in Augenschein nehmen
oder endlich den nächste Arbeitsschritt tun.
Mal eben so – auf die Schnelle – das funktioniert nicht!

Dem Klumpen eine Form geben

Vor dem eigentlichen Töpfern muss der Ton ordentlich gewalkt werden;
danach werden die Ton-Ballen abgewogen.
Jetzt beginnt das eigentliche Töpfern:

Aus dem Tonklumpen wird durch meiner Hände Arbeit das Werkstück.
Der Vorgang des Drehens erfordert die meiste Achtsamkeit und großes Geschick.
Wenn ich dann mit einem Draht behutsam mein Werk von der Scheibe löse
und vorsichtig auf ein Brett zum Trocknen setze,
empfinde ich mich – selbst Geschöpf, Adam, von der Erde genommen – beteiligt an der Schöpfung Gottes.

Genügend Zeit muss das Gefäß haben, um anzutrocknen,
aber immer noch ist es feucht, wenn es erneut auf die Scheibe gesetzt wird.
Dieses Mal wird es aber auf den Kopf gesetzt, um den Boden, den "Fuß" abzudrehen,
zu glätten und mit dem Werkstattzeichen zu versehen.
An Tassen und Krügen werden noch Henkel angesetzt.
Jetzt folgt eine längere Zeit des Wartens:
Je nach Größe der Gefäße und Klima in der Werkstatt trocknen sie zwischen fünf und zehn Tagen.
 frisch abgedrehte Töpferwaren- Frische Töpferwaren, zum Trocknen aufgestellt 

Das Feuer probt den Gerechten

Sind die Gefäße „knochentrocken“, werden sie das erste Mal gebrannt.
In den modernen Brennöfen ist der Brennvorgang eine sichere Sache,
aber trotzdem bleibt eine bange Spannung.
Nach zwei Tagen wird der Ofen wieder geöffnet; sind alle Gefäße in Ordnung?
Erst jetzt kann ich die kleinen und größeren Fehler,
die sich während der verschiedenen Arbeitsschritte eingeschlichen haben, erkennen...

 Br. Isidor- Br. Isisdor überprüft den Brand 

Der Farbenpracht wird aufgebracht

Nach dem Brennen kommt die Glasur.
Eine sehr kreative Arbeit, soll sie doch die beim Drehen gegebene Form hervorheben!

Die Glasuren werden über das Werkstück geschüttet oder gesprüht,
mit einem Pinsel aufgetragen oder aufgespritzt, mit einem Schwamm aufgetupft...
– der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Jedem Stück wird so ein individueller Charakter zuteil,
auch wenn die Unterschiede nicht auf den ersten Blick zu sehen sind.
Es folgt nun der Glasurbrand, die zweite Feuerprobe bei 1170 °C.
Zwei Tage später kommt dann der Moment der Wahrheit,
wenn abermals der Brennofen geöffnet wird.
Was ist der Arbeit und Mühen Lohn?
Selbst nach etlichen Jahren als Töpfer ist es für mich immer wieder spannend,
wenn sich die Tür des Brennofens öffnent.
Die vielen blauen, braunen, grünen oder sandfarbenen Gefäße
erblicken das Licht dieser Welt.
Manchmal sind Stücke dabei, die nur in den Ofen gestellt wurden,
um den Raum auszufüllen,
Stücke, in die ich keine große Hoffnung gesetzt habe,
die sich aber jetzt als die schönsten heraustellen.
Was sich mir vorher als Fehler zeigte,
machte der Brand besonders schön, ausstrahlungskräftig, einzigartig!
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