08.03.2010
Die Welt ins Gebet nehmen - 2. Fastenwoche
Athen fleht Berlin um politische Hilfe an
(Schlagzeile bei Spiegel-Online am 05.03.2010)
Ein ganzes Land steht vor dem Staatsbankrott. Nach Island ist nun Griechenland fast pleite. Allerdings ist diese Pleite zum größten Teil selbstverschuldet. Und so hat die Europäische Union den Griechen einen strikten Sparkurs verordnet.
Was mir jenseits wirtschaftlicher Erwägungen an dieser Krise auffällt, ist, dass sie nicht allein auf Griechenland beschränkt ist, sondern mindestens ganz Europa betrifft. Das sind die Auswirkungen der Globalisierung. Wir sitzen nun mal alle im gleichen Boot. Gerade durch die gemeinsame Währung, den Euro, sind wir aufs engste mit dem Schicksal der Griechen verbunden. Ein Blick auf die täglichen Börsenkurse zeigt das - sogar mir, der ich sonst nicht wirklich viel von Börsenkursen verstehe.
Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied sich freut, freuen sich alle mit - so beschreibt es der hl. Paulus im Ersten Brief an seine Gemeinde in Korinth (übrigens einer Stadt im heutigen Griechenland!). Gerade Christen sind in eine Gemeinschaft gestellt, die sie zusammenschweißt in guten wie in schlechten Tagen. Das zeigt sich auch in den täglich neu aufkommenden Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Priestern und Ordensleuten an ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Es ist ein abscheuliches Verbrechen, das die ganze Kirche betrifft - auch wenn sich nur wenige verfehlt haben. Wir können uns nicht mit dem Verweis auf persönliches Fehlverhalten Einzelner herausreden, sondern sind in unserem ureigenen Selbstverständnis von Kirche als Leib Christi, Gemeinschaft, herausgefordert. Wenn ein Glied leidet, leiden alle anderen mit!
Jogi, so haben wir Angst um die WM!
(Schlagzeile auf bild.de am 04.03.2010)
Es scheint fast, als wäre die Welt untergegangen gestern abend um 22:30 Uhr in München. Dann stand es fest: die 0:1-Niederlage im Testspiel (wohlgemerkt: Test!) der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien.
Wenn man sich die Kommentare und Schlagzeilen der heutigen Sportnachrichten ansieht, bekommt man wirklich den Eindruck, als sei nun alles verloren. Ich glaube, wir müssen mal die Perspektive etwas zurechtrücken.
Also: eine 0:1-Niederlage in einem Testspiel gegen eine Weltklassemannschaft wie Argentinien ist kein Weltuntergang. Es ist noch längst nicht alles verloren. Wozu sonst sind denn bitte schön Testspiele da, als dazu, die Stärken und Schwächen einer Mannschaft auszutesten. Ja, es gibt Schwächen in der Nationalmannschaft. Aber Schwächen sind dazu da, erkannt zu werden und etwas daran zu tun. Dazu bleibt Zeit genug!
Und doch macht mich die Schlagzeile oben nachdenklich: Sind wir so auf Siege getrimmt, dass wir eine auch knappe Niederlage gleich als Schande ansehen? Und das gilt nicht nur für den Sport, sondern für das ganze Leben. Wir vergessen manchmal, dass auch die Niederlage, das Scheitern zum Leben dazugehört und vielleicht sogar ein Antrieb sein kann, etwas zu ändern. Niederlagen sind kein Weltuntergang! Im Gegenteil: eine Gesellschaft, die nur Sieger kennt, verliert auf Dauer ihre Menschlichkeit!
Allianz gegen Ausverkauf des Sonntags
(Schlagzeile der Westfalenpost am 03.03.2010)
Gewerkschaften, Familienverbände und Kirchen haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen zur Verhinderung der Aushöhlung des Sonntagsschutzes. Es gibt noch mehr im Leben als Arbeit, auch die Familie muss zu ihrem Recht kommen - das sind wichtige Argumente, die für den arbeitsfreien Sonntag sprechen.
Der arbeitsfreie Sonntag reicht aber bis in die Wurzeln unserer jüdisch-christlichen Tradition hinab. Gott hat die Welt in sechs Tagen erschaffen, am siebten Tag ruhte er - und deshalb sollen die Menschen diesen Tag heilig halten. So lautet ein fundamentales Gebot des Volkes Israel, das in die sog. Zehn Gebote eingegangen ist. Und für uns Christen ist der Sonntag der Tag des Herrn, der Tag, an dem wir uns an die Auferstehung Jesu Christi erinnern.
Im katholischen Kirchenrecht heißt es, dass man sich am Sonntag aller Tätigkeiten enthalten soll, welche die dem Sonntag eigene Freude hindern (can. 1247). Ein bemerkenswerter Paragraph. Freude ist etwas Zweckfreies, Spielerisches, das nicht durch menschliche Leistung und Tätigkeiten hergestellt, "produziert" werden kann. Gerade deshalb ist es in unserer hochtechnisierten Welt so wichtig, Tage zu haben, wo ich nichts "machen" muss, sondern einfach sein kann - ganz zweckfrei, so wie Gott ja auch nicht an Zwecke gebunden ist, sondern alle Zwecke unendlich übersteigt!
Dutzende Menschen sterben bei Plünderungen
(Topschlagzeile bei Spiegel-Online am 02.03.2010)
Es trifft immer die Ärmsten. Nach dem schrecklichen Erdbeben in Haiti letzten Monat nun also Erdbeben und Tsunami in Chile. Die Menschen, wenn sie denn mit dem Leben davongekommen sind, haben alles verloren, stehen buchstäblich auf der Straße. In ihrer Not plündern sie Lebensmittelgeschäfte, um an überlebenswichtige Nahrung zu kommen. Dabei kommen Menschen zu Tode - nicht durch die Natur, sondern von Menschenhand. Homo homini lupus - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf - diese Weisheit (?) scheint sich wieder einmal aufs Schärfste zu bewahrheiten.
Ist es wirklich so einfach? Was gibt mir, einem Mitteleuropäer, dem es doch eigentlich sehr gut geht, das Recht, über diese Menschen, die aller not-wendigen Lebensmittel beraubt sind, zu urteilen, sie gar zu ver-urteilen, den moralischen Stab über sie zu brechen? Wer kann denn sagen, wie ich handeln würde, wenn ich in solch eine furchtbare Situation käme?
Der ehemalige Kölner Bischof Frings hat den hungernden Menschen nach dem 2. Weltkrieg den Diebstahl von Kohle zum Heizen ihrer kalten Wohnungen erlaubt. Deswegen wurde der Kohleklau im Volksmund "Fringsen" genannt.
Eine Grenze liegt für Christen sicher da, wo Menschen von anderer Menschen Hand zu Tode kommen. Und doch - ein rasches Verurteilen ist hier sicher nicht angebracht! Eher unser Mitgefühl, unsere Hilfe, so wie es uns möglich ist, und unser Gebet, eine Hilfe, die wir nicht unterschätzen sollten!
Orkantief stoppt Bahn in NRW
(Schlagzeile der WP am 01.03.2010)
Selten habe ich eine Schlagzeile so hautnah miterlebt wie die von heute Morgen. Gestern wollte ich gegen 17:00 Uhr per Bahn vom Niederrhein ins Sauerland fahren. Nach zwei Stationen aber war Schluss. Bäume lagen quer auf den Gleisen, Windstöße brachten den Zug gefährlich ins Schwanken, kurzum: nichts ging mehr (daher kommt der Impuls heute auch etwas später...).
Da hatte ich so wunderbare Pläne gemacht, wann ich umsteigen muss, wann ich zuhause ankommen werde, was ich dort noch alles erledigen kann - und dann werden mir all die Pläne durchkreuzt.
Eine Alltagserfahrung, die durchlässig wird für den Glauben. Auch Gott durchkreuzt immer wieder die hochfliegenden Menschenpläne. Er erfüllt unsere Bitten oft ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben.
Ich jedenfalls hatte gestern einen schönen freien Abend bei Freunden ...
P. Maurus
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